Ein Gespenst geht um in Europa ...
... das Gespenst der "Gentrifizierung".
Definition: Gentrifizierung = die Verdrängung einkommensschwächerer Bevölkerungsschichten aus innerstädtischen Wohnlagen durch den Zuzug wohlhabenderer Bewohner.
Gentrifizierung ist ein streitbares und emotionales Thema. Makler sind zwangsläufig "Aktivisten" dieses Prozesses. Hier habe ich meine persönlichen Ansichten dazu aufgeschrieben.
Ein bisschen Statistik vorweg
- Berlin Einwohner: 3.902.645 (Stand 30.06.2025)
- Wohnfläche pro Einwohner (am engsten):
- Lichtenberg: 35,9 m²
- Mitte (Mitte, Tiergarten, Wedding): 36,6 m²
- Wohnfläche pro Einwohner (am meisten Platz):
- Steglitz-Zehlendorf: 46,3 m²
- Deutschland-Trend: Seit 1960 hat sich die Wohnfläche pro Einwohner mehr als verdoppelt auf 49,2 m².
Nie zuvor gab es in Deutschland und Berlin so viel Wohnraum und so viel Platz für den Einzelnen.
Die Lüge von den "unbezahlbaren Mieten"
Sind Sie Mieter in Berlin? Sie bezahlen Ihre Miete regelmäßig? Dann haben Sie eine bezahlbare Miete.
Egal wie Ihre persönliche finanzielle Lage ist: Bezahlen Sie für etwas, ist es für Sie bezahlbar!
Selbst wenn Sie sich Ihre Wohnung nicht mehr leisten können und ausziehen müssen, bleibt die Miete bezahlbar – für andere, die mehr Geld haben. Das Prinzip nennt sich Kapitalismus. In Berlin gibt es kaum Leerstand, und die meisten Mieter bezahlen pünktlich. Die Mieten sind also realisierbar.
Vermieter bieten nie "unbezahlbare" Wohnungen an, jedoch oft überteuerte, um den Gewinn zu maximieren. Der Staat verdient kräftig mit: Alle Gewinne sind zu versteuern. Pikant: Wer deutlich unter dem Mietspiegel vermietet und deshalb keine Gewinne macht, wird vom Finanzamt wegen "Liebhaberei" bestraft!
Das Problem: A + B + C
- A: Es gibt einen Markt.
- B: Eine Wohnung ist ein Wirtschaftsgut.
- C: Eine Wohnung ist der Lebensmittelpunkt ihrer Bewohner.
Der Immobilienmarkt ist untrennbar mit den Schicksalen von Menschen verknüpft.
Gentrifizierung als Folge von Mangel?
Gentrifizierung passiert überall dort, wo mehr Menschen wohnen MÖCHTEN, als Wohnraum angeboten wird. In den begehrten Innenstadtlagen leben müssen nur wenige (Notärzte, Polizei, Feuerwehr, Versorger).
Diejenigen, die neu hinzuziehen möchten, verdrängen die Alteingesessenen. Die Mittel sind (in dieser Reihenfolge):
- Geld
- Reglement
- Schikane
- Gewalt
Die Gegenwehr nutzt dieselben Mittel. Es ist ein Verteilungskampf um knappen Raum.
"Mieten-WAHNSINN" in Berlin?
Die Berliner Mieten steigen schnell, aber sie kommen von einem extrem tiefen Niveau. Im internationalen Vergleich sind sie immer noch moderat, auch wenn das viele Berliner anders empfinden.
Ideen wie "Enteignung" oder der "Mietendeckel" kommen politisch gut an, helfen aber denen, die dringend eine Wohnung suchen, kein Stück weiter.
Bauen, bauen, bauen?
Berlin wächst. Der Wohnungsbau kommt nicht hinterher. "Billig bauen" ist Geschichte:
- Neubau (Mehrfamilienhaus): ca. 3.600 €/m²
- Modulares Bauen: 2.000–3.000 €/m²
- Dazu kommen Grundstückskosten, Grunderwerbsteuer (6%), Notar und Makler.
Die Schere klafft weiter auseinander – die Gentrifizierung wird sich also eher verschärfen.
Enteignung?
Im Grunde auch nur eine kapitalistische Umverteilung. Eine Sache wechselt den Eigentümer durch Machtausübung statt durch Geldfluss.
- Entsteht dadurch zusätzlicher Wohnraum? Nein.
- Wird dadurch das Geld abgeschafft? Nein.
- Ist eine staatliche Wohnung kein Wirtschaftsgut mehr? Doch.
- Ist es sozial gerecht, mit Steuergeldern willkürlich einige Mieter besser zu stellen als andere? Fragwürdig.
Umverteilung beseitigt den Mangel nicht.
Mietpreisbremse & Mietendeckel
Die Mietpreisbremse ist fast wirkungslos, daher der Ruf nach dem Deckel. Ein historischer Rückblick:
"Der NS-Staat wird für alle Zeit die Wirtschaft führen und deshalb auch Anspruch auf Festsetzung der Mieten erheben. Eine Mieterhöhung ohne Gegenleistung des Vermieters kann es in einem nationalsozialistischen Staat nicht geben."
(Herrmann Lampe, 1939)
Die "Preisstoppverordnung" von 1936 fror alle Mieten bis 1945 ein. In der DDR blieb dieses Prinzip im Grunde bis 1989 bestehen.
Die Folgen der Regulierung:
- Selektion: Vermieter suchen sich die Mieter noch penibler aus (Einkommen, keine Kinder/Tiere).
- Schwarzmarkt: Für alte Küchen oder Kellergerümpel werden horrende "Abstandszahlungen" verlangt. Wer die Wohnung will, zahlt – und schimpft später am Stammtisch über den "bösen Makler".
"Vater" Staat als Profiteur
Warum sollte der Staat wirklich helfen? Es läuft doch wirtschaftlich bestens für ihn:
- Steuern: Einkommen-, Gewerbe- und Grundsteuer sowie 19% MwSt auf alle Bauleistungen.
- Grunderwerbsteuer: 6% auf jeden Verkauf. 2018 nahm Berlin hierüber über eine Milliarde Euro ein – fast 3 Millionen Euro täglich!
- Gebühren: Baugenehmigungen, Umwidmungen, Parkplatzablösen.
Gegen das Versprechen, Mietsteigerungen zu stoppen, steht das handfeste Interesse, Geld einzusammeln. Das Geld der Mieter, der Vermieter, von uns allen.
Für Steuersenkungen (= Erhöhung der Realeinkommen) geht in Berlin leider keiner auf die Straße.
→ DIES UND DAS